Mobbing kann jedem passieren – holt euch Hilfe!

Es gibt sicher einige Schülerinnen und Schüler hier bei uns an der Schule, die gemobbt werden oder wurden. Auch an mir ging das Thema nicht vorbei, denn auch ich wurde gemobbt. Es hat mich viel Überwindung gekostet, diesen Artikel zu schreiben. Ich hatte Angst vor den Konsequenzen, die dieser Artikel mit sich ziehen könnte. Doch mit der Hilfe meiner Mutter habe ich all meinen Mut zusammengenommen und diesen Artikel verfasst. Ich werde euch in den folgenden Zeilen von meinen Erlebnissen berichten, euch meine Gefühle und Gedanken schildern sowie euch erzählen, wie ich aus dem größten Ärger herausgekommen bin – und wo ihr euch Hilfe holen könnt, wenn ihr diese benötigt. Dies ist meine „Mobbing-Geschichte“.

Bei mir fing alles nur wenige Wochen nach der Einschulung, hier am Athenaeum, an. Auch meine Klasse hatte so eine „wundervolle“ WhatsApp-Gruppe. Es begann damit, dass ich ein paar Mal aus der Gruppe flog, aber ich dachte mir nichts dabei. Weiter ging es dann damit, dass sich niemand mehr mit mir verabreden wollte, obwohl ich mich vorher sehr oft verabredet hatte. In der Schule fingen sie auch an, mich auszugrenzen. Das tat ziemlich weh. Ich wusste nicht, was los war und fing an, mir Vorwürfe zu machen. Ich dachte, dass ich nicht hübsch genug sei oder dass ich etwas falsch gemacht hätte. Ich hatte in der Klasse noch etwa fünf Leute, die sich mit mir „abgaben“. Klar war ich froh, sie zu haben, doch hatte ich mir auch gewünscht, zu den anderen, quasi den „Coolen“, zu gehören. Heute bin ich da anderer Meinung. Ich finde heute, dass man zu den „Coolen“ gehört, wenn man echte Freunde hat, mit den man über alles reden kann und die dich so lieben, wie du bist. Trotzdem versuchte ich gut in der Schule mitzukommen, was mir aber durch den Stress und die Vorwürfe sowie die Angst bei einer falschen Aussage ausgelacht zu werden, nicht leicht viel. Zuhause, wenn meine Mutter mich fragte, wie die Schule war und wie es läuft, antwortete ich immer mit „alles gut“ oder „macht richtig viel Spaß“. Doch auch sie wunderte sich langsam, warum ich mich nicht bis kaum mehr verabredete. Sie kannte es seit dem Kindergarten von mir, dass ich kaum Zuhause war, weil ich ständig verabredet war. Ich wollte mir aber nichts anmerken lassen, weil ich keine ewigen Gespräche führen wollte und Angst hatte, dass es dadurch nur schlimmer werden würde. Am meisten traf mich damals, dass meine beste Freundin, die ich seit der ersten Klasse hatte, sich auf einmal gegen mich stellte und nichts mehr von mir wissen wollte. Heute kenne ich ihre Gründe dafür, was mir hilft, sie ein wenig mehr zu verstehen, auch wenn dies keine Entschuldigung sein kann. Viele Monate ging die Quälerei so weiter, ohne dass ich etwas sagen wollte. Nicht nur meine Familie bemerkte mittlerweile, dass etwas nicht stimmen kann, sondern auch schon die Lehrer, da meine Leistungen stark nachließen. Irgendwann erhielt meine Mutter eine Nachricht von der Mutter meiner damaligen besten Freundin. Sie war noch in dieser WhatsApp-Gruppe. Nun erfuhr meine Mutter, was los war. Als ich nach Hause kam, nahm sie mich, ohne ein Wort zu sagen, in den Arm. Als ich sie fragte, was passiert sei, antwortete sie: „Ich weiß was los ist.“ Bevor sie mir die Nachrichten zeigte, welche sie als Screenshot geschickt bekommen hatte, sollte ich ihr alles erzählen. Es tat sehr gut, endlich darüber reden zu können, auch wenn ich Angst davor hatte, was als nächstes passieren würde. Als ich zum ersten Mal die Nachrichten gelesen hatte, fing ich an zu weinen. Meine Mitschüler schrieben so etwas wie: „Sie ist nicht gut für unsere Gesundheit“, „Sie sollte sterben“ oder auch „Wieso existiert so ein Mensch?“. In den darauffolgenden Tagen setzte sich meine Mutter in Verbindung mit unserem Klassenlehrer. Doch besser wurde es zunächst immer noch nicht. Auch, als ich verschiedene Therapieangebote wahrnahm und jedes Mal erzählte, dass ich mich krank gestellt hätte, nur um nicht wieder in diese damalige Hölle von Schule gehen zu müssen, besserte sich zunächst noch nichts. Am Ende des ersten Halbjahres der sechsten Klasse erreichte uns dann der Brief, dass ich versetzungsgefährdet sei. Da haben meine Mutter und ich dann einen Entschluss getroffen. Ich habe nicht versucht, weiterhin in dieser Klasse zu bleiben, sondern bin im zweiten Halbjahr wieder in die fünfte Klasse gegangen. Ich wollte das sechste Jahr wiederholen und damit ich besser den Anschluss finde, trat ich meiner heutigen Klasse in der fünften bei. Das war eine der besten Entscheidungen, die ich je getroffen habe. So ein Klassenwechsel ist die letzte Möglichkeit, zuvor finden intensive Gespräche mit den Beratungslehrern statt, die direkt gegen das Mobbing vorgehen. In etwa 90 Prozent der Fälle sind diese Gespräche auch erfolgreich. Ich habe jedoch den Klassenwechsel benötigt, welcher mit den Beratungslehrern gemeinsam vorbereitet wurde. Ich habe Menschen kennengelernt, die mich besser behandelt haben, als die Leute aus meiner alten Klasse. Ich ging noch einige Zeit zur Therapie, um auch noch die letzten Dinge besser zu verarbeiten. Mir wurden zum Beispiel auf dem Schulhof abwertende Blicke zugeworfen oder Sprüche wie „dummer Fünftklässler“ an den Kopf geworfen. Ich hatte nie den Mut, etwas gegen diese Menschen zu sagen.

Rückblickend muss ich sagen: Ich kann nur jedem raten, der in dieser Situation steckt: „Lasst euch von niemandem einreden, dass ihr nicht gut genug seid. Macht euch auch keine Vorwürfe. Ich weiß, dass es schwer sein kann, durch diese Zeit zu gehen, aber ich kann euch auch sagen, dass es irgendwann besser wird. Also bitte, denkt nicht, dass es nur solche Menschen auf der Welt gibt, denn das stimmt nicht. Es wird der Tag kommen, an dem ihr die Menschen finden werdet, die immer für euch das sind, egal was kommt. Solche Freunde habe ich auch gefunden. Also lasst den Kopf nicht hängen und sucht euch Hilfe. Und an die ‚Täter‘ würde ich gerne noch ein Wort richten. Wieso projiziert ihr eure Probleme auf andere und mobbt sie? Woher nehmt ihr das Recht, Menschen so fertig zu machen, dass sie sich im schlimmsten Fall sogar das Leben nehmen wollen?! Ihr solltet euch mal in die ‚Opfer‘- Rolle versetzen, denn dann wüsstet ihr, wie schrecklich sich das anfühlt.“

Ich hoffe, dass ich mit diesem Artikel nicht nur den Schülern, sondern auch Eltern helfen konnte. Ich hätte einige Dinge im Nachhinein gerne anders gemacht. Zum Beispiel hätte ich gerne vorher mit jemandem darüber gesprochen oder auch gerne selber was gesagt, wenn ich den Mut gehabt hätte. Von daher kann ich euch nur raten, sich jemandem anzuvertrauen.

In unserer Schule wären beispielsweise unsere Beratungslehrer Wolfram Washof und Gabriele Heimann sowie unsere Sozialarbeiterin Lisa Jensen Anlaufstellen, die sich gerne für euch einsetzen. Das Arbeiten mit dem bewährten „No Blame approach“, was so viel bedeutet wie „Ansatz ohne Schuldzuweisungen“, ist ans unserer Schule üblich und erfolgreich.

Hier könnt ihr Kontakt zu unseren Beratungslehrern aufnehmen: http://www.athenaeum-stade.de/beratungsangebote Zögert nicht, denn jeder Tag, an dem man Mobbing erleiden muss, ist einer zu viel.

 

Wer genauer wissen möchte, was Mobbing genau bedeutet und was schon als Mobbing zählt – hier der Faktencheck:

Was ist genau Mobbing?

Mobbing ist viel mehr als nur jemanden hin und wieder hänseln, mit jemandem raufen oder andere ärgern. Von Mobbing spricht man, wenn jemand an einer anderen Person wiederholt und über längere Zeit herabsetzende und ausgrenzende Handlungen verübt oder jemanden per E-Mail, SMS oder im Netz schikaniert (sogenanntes E-Mobbing)

Und Mobbing kann übrigens auch strafbar sein:

Wer sie gegenüber der betroffenen Person selbst äußert, macht sich der Beleidigung strafbar. Überdies ist der Tatbestand der Verleumdung beim Mobbing häufig erfüllt. … Der Tatbestand ist gesetzlich in § 187 StGB geregelt.

Und selbst wenn ihr „nur“ im Internet gemobbt werdet, gibt s dafür auch Regelungen:

Was genau bedeutet der Begriff Cybermobbing?

Unter Cyberbullying oder Cybermobbing versteht man die Beleidigung, Bedrohung, Bloßstellung oder Belästigung von Personen mithilfe von Kommunikationsmedien, beispielsweise über Smartphones, E-Mails, Websites, Foren, Chats und Communities.

Ist Cybermobbing strafbar?

Wer wider besseren Wissens in Beziehung auf einen anderen eine unwahre Tatsache behauptet oder verbreitet, welche denselben verächtlich zu machen oder in der öffentlichen Meinung herabzuwürdigen geeignet ist, wird, wenn diese Tatsache erweislich wahr ist, mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe und, wenn die Tat öffentlich, oder durch Verbreiten von Schriften (§ 11 Abs. 3) begangen ist, mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft. (Quelle: https://dejure.org/gesetze/StGB/223.html)

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