Nachgedacht über…: E-Roller: Fluch oder Segen?

E-Roller: Man hasst oder liebt sie. Kein Verkehrsmittel steht so sehr in der Kritik wie dieses. Doch ist die Kritik gerechtfertigt? Genau das haben sich zwei Oberstufenschüler auch gefragt, nachdem es an unserer Schule einen Unfall gab, bei dem eine Schülerin verletzt wurde. Zwei Menschen, zwei Meinungen. Fluch oder Segen? Oder gar beides zusammen?

Fluch. Oder…?

Ja, es stimmt schon, was gesagt wird. Ich allein könnte schon etliche Situationen nennen, in denen ich durch E-Rollerfahrer gefährdet wurde, oder sie sich selbst durch die Missachtung der Verkehrsregeln in Gefahr gebracht haben. Die meisten E-Roller-Unfälle entstehen durch den E-Rollerfahrer, wohingegen bei Fahrradunfällen zu ähnlichen Anteilen sowohl Auto- als auch Fahrradfahrer Schuld haben.

Doch woran liegt das?

Für E-Roller braucht man keinen Führerschein, d.h. aber auch, dass die E-Roller-Nutzer einige Verkehrsregeln möglicherweise nicht kennen und bestimmte Dinge einfach nicht wissen. Ich selbst habe das gemerkt, als ich den PKW-Führerschein gemacht habe. Ich fahre sehr viel Fahrrad, aber einige Dinge wusste ich nicht. Wenn man dann noch beachtet, wie jung manche E-Rollerfahrer sind, wundert es einen nicht, wenn sie die Regeln missachten, das entschuldigt deren Verhalten natürlich nicht. Das zu schnelles Fahren auf einem Fußgängerweg zu Unfällen und Verletzungen führen kann, sollte für jemandem mit gesundem Menschenverstand selbstverständlich sein, den man auch mit 14, dem Mindestalter für E-Roller, schon haben sollte. Eine weitere Ursache für die häufigen Roller-Unfälle ist das Tuning der E-Roller. Eigentlich dürfen diese höchstens 20km/h fahren. Durch sogenanntes Tuning (das illegale Erhöhen der Höchstgeschwindigkeit) kann man den E-Roller jedoch schneller machen, was natürlich zu vielen schweren Unfällen führt, da sie leicht übersehen werden oder selber z.B. Fußgänger übersehen. Beide Fälle können fatal enden. Hier ist wieder der Punkt: Sie bringen andere, aber auch sich selber in Gefahr. Und dann gibt es auch noch die, die zu zweit fahren, was auch verboten ist, jedoch kaum jemanden zu interessieren scheint, so häufig wie man zwei Leute auf einem E-Roller sieht. Das ist besonders gefährlich, da sich das komplette Fahrverhalten ändert. Denn der E-Roller wird durch die Verschiebung des Schwerpunktes extrem instabil und unberechenbar, was wiederum für alle Beteiligten gefährlich ist.

Durch die E-Roller hat sich das gesamte Verkehrssystem geändert: Sowohl Autofahrer, Fußgänger und Fahrradfahrer müssen sehr viel vorsichtiger sein, weil sie nicht wissen, ob nicht doch ein E-Roller von irgendwoher kommt. Ich selbst habe diesen Wandel mitbekommen. Früher musste man natürlich auch aufpassen, besonders auch als Fahrradfahrer und Fußgänger, jedoch war die Gefahr nicht auf den Gehwegen, sondern auf dem Fahrstreifen unterwegs. Als Autofahrer ist es genauso schlimm: Früher musstest du auf Radfahrer und Fußgänger aufpassen, aber die waren nicht so schnell. Heutzutage kannst du die E-Roller häufig einfach nicht sehen, weil sie, ohne sich an Verkehrsregeln zu halten, überall entlangfahren und nicht dort, wo sie sollten (natürlich gibt es das auch bei Fahrradfahrern, jedoch ist es bei E-Rollerfahrern schon auffällig häufig der Fall) und du hast als Autofahrer grundlegend erst einmal Schuld, wenn was passiert, auch wenn du nichts dagegen hättest machen können. Natürlich sind die E-Roller an sich als Gegenstand nicht das Problem, sondern die unverantwortliche Nutzung dieser, was an der Gefährlichkeit aber nicht viel ändert. Es gibt selbstverständlich auch positive Aspekte von E-Rollern, z.B. sind sie hilfreich für Schüler, die mit der Bahn anreisen, da sie in dieser mitgenommen werden können und so auch entferntere Orte des Bahnhofes gut erreichen können. Jedoch ist ein Gegenstand nur so gut wie sein Benutzer und wenn die Mehrheit sich einfach unverantwortlich verhält und ohne Rücksicht auf Verluste durch die Gegend fährt und viele Menschen in Gefahr bringt, ist es meiner Meinung nach nichts Positives, auch wenn es noch so viele gute Aspekte gibt.

Ich denke, dass E-Roller mit einer verantwortungsbewussten Nutzung eine gute Ergänzung des Straßenverkehrs sein können. Allerdings ist es dahin noch ein langer Weg. Wir brauchen mehr Konsequenzen bei Verstößen, und es muss ein richtiger Umgang mit den E-Rollern gelehrt werden. Denn so wie es jetzt ist, kann es nicht bleiben. Ich kann nur an jeden appellieren, sich an die Regeln zu halten. Denkt an eure Mitmenschen, ihr wollt doch auch keinen verletzen. Wenn wir ein bisschen mehr aufeinander achten, ist die Welt auch gleich viel schöner und sicherer.

Gastbeitrag von Jennifer Drexler

Segen. Oder…?

E-Roller sind aus dem Straßenverkehrsbild nicht mehr wegzudenken. Kaum ein Verkehrsmittel erlangte in so kurzer Zeit solche Popularität aber steht zugleich so sehr in der Kritik. Nach einem Unfall auf unserem Schulhof, bei dem eine Schülerin verletzt wurde, wird dieses negative Bild wieder besonders deutlich. Meiner Meinung nach ist die Kritik jedoch zu einseitig. Wenn die Regeln eingehalten und konsequent kontrolliert werden, dann können E-Roller durchaus sehr sinnvoll sein.

Laut dem Statistischen Bundesamt kamen im Jahr 2024 38 Menschen bei Unfällen mit E-Rollern ums Leben. Bei Fahrrädern waren es 441, also mehr als elfmal so viel. Setzt man diese Zahlen jedoch ins Verhältnis, kamen pro Million Fahrräder nur 4,9 Menschen ums Leben, bei E-Rollern sind es ganze 27 pro Million E-Roller, also 5,5-mal so viele.

Die Unfälle mit E-Rollern sind allerdings in den allermeisten Fällen nicht auf den E-Roller selbst, sondern auf eine verkehrswidrige Nutzungsweise zurückzuführen. Ein häufiges Beispiel hierfür und ein weiterer Kritikpunkt an E-Rollern stellen das Tuning dar. Normalerweise müssen E-Roller eine eingebaute Höchstgeschwindigkeit von 20 km/h haben. Bei getunten E-Rollern wird diese Geschwindigkeitsbegrenzung außer Kraft gesetzt, wodurch viele gefährlich schnell und damit illegal fahren. Das Problem liegt also nicht nur bei den E-Rollern selbst, sondern vielmehr bei der falschen Nutzung bzw. der mangelnden Durchsetzung der bereits vorhandenen Gesetze. Diese verkehrswidrige Nutzung gibt es allerdings auch bei Fahrrädern und Autos, eine Abschaffung dieser fordert jedoch kaum jemand.

Für den E-Roller spricht auf der anderen Seite, sofern er korrekt benutzt wird, sehr vieles. Zunächst einmal stellt er ein bedeutsames Verkehrsmittel für Kurzstrecken dar und ist, besonders in Großstädten, eine wichtige Ergänzung zum ÖPNV. Im Gegensatz zu Fahrrädern dürfen E-Roller auch in den Sperrzeiten vor und nach der Schule bei uns in der Bahn mitgenommen werden. Dies ist gerade für Schüler, die für ihren Schulweg auf die Bahn angewiesen sind und weiter vom Bahnhof entfernt wohnen, sehr hilfreich.

Zudem sind E-Roller sehr günstig in der Anschaffung. Viele Modelle starten schon bei wenigen hundert Euro und im Gegensatz zum Auto hat der E-Roller sehr geringe laufenden Kosten, was es einem ermöglicht, auch mit einem kleinen Budget vollständig mobil zu bleiben. Zwar ist Fahrradfahren natürlich sowohl für die Umwelt als auch für die Gesundheit besser als E-Roller-Fahren, jedoch ist E-Roller-Fahren immer noch besser als das Auto zu verwenden. Sie verbrauchen viel weniger Fläche und sind zudem leiser und emissionsfrei.

Daher bin ich der Meinung, dass E-Roller weiterhin eine große Rolle im Straßenverkehr spielen sollten. Die Hauptgefahr geht also weniger von den E-Rollern selbst aus, als viel mehr von der falschen Nutzung dieser. Zudem können und sollten E-Roller einen großen Teil dazu beitragen, das Auto auf Kurzstrecken zu ersetzen. Notwendig dafür ist nur, dass die korrekte Handhabung strenger kontrolliert wird und ein verantwortungsvoller Umgang mit E-Rollern gefördert wird. Nur dann kann das leider sehr negativ geprägte Bild von E-Rollern verbessert und Unfälle, wie der auf unserem Schulhof vermieden werden.

Gastbeitrag von Paul Zörb

Anmerkung der Redaktion: Seit einigen Tagen wird das Fahrverbot von sämtlichen Zweirädern auf dem gesamten Schulgelände konsequent durchgesetzt. Zu diesem Thema folgt demnächst eine weitere Berichterstattung.

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