Athe-Abschied von Frau Schollenberger, Frau Veit und Herrn Heizmann
Jedes Jahr kommen viele neue Lehrer, Schüler und andere Mitarbeiter an das Athenaeum. Doch irgendwann wird es auch Zeit, wieder Abschied zu nehmen. Nun ist es mal wieder so weit. Nach diesem Schuljahr werden mit Frau Schollenberger, Frau Veit und Herrn Heizmann drei Lehrkräfte das Athe in Richtung Ruhestand verlassen. Wir haben alle drei gebeten, uns noch einige Fragen zu beantworten, sodass wir die Zeit am Athenaeum noch einmal Revue passieren lassen und euch einen Einblick der ausscheidenden Lehrer über ihre Erfahrungen an dieser Schule bieten können. Wir bedanken uns für ihre Zeit am Athe und wünschen ihnen viel Glück auf ihren weiteren Wegen. In Hamburg (und Umgebung) sagt man: Tschüs!
Jugendreporter: Wie und wann sind Sie zum Athenaeum gekommen?
Hendrik Heizmann: „Ich bin 2003 ans Athenaeum gekommen. Nachdem ich 1997 eine Stelle am Studienseminar in Stade für die Ausbildung von Referendaren im Fach Französisch bekam, war ich zunächst für mehrere Jahre an der Halepaghen-Schule in Buxtehude. Von dort habe mich 2003 um eine Stelle in Stade bemüht. Und am Athenaeum war eine Stelle frei.“
Wie war ihr erster Eindruck vom Athenaeum?
„Mein erster Eindruck liegt noch länger zurück: 1990. Meine erste Stelle nach dem Referendariat erhielt ich am Vincent-Lübeck-Gymnasium. Damals galt das Athenaeum als alt- ehrwürdig mit einem ebensolchen Kollegium, wobei die Betonung auf alt lag. Ich fand das alte Backsteingebäude als Schule jedoch sehr schön. Das Kollegium verjüngte sich im Laufe der Zeit, und inzwischen würde ich altersmäßig eher zu dem Kollegium von damals passen – altersmäßig!“
Wie sah für Sie ein typischer Arbeitstag am Athe aus?
„Fahrrad oder Auto abstellen, Gang ins Lehrerzimmer oder in den Kopierraum, wenn das Arbeitsblatt noch vervielfältigt werden musste (Papierausdrucke habe ich trotz Tablets beibehalten), Unterricht, Schnack im Lehrerzimmer oder Besprechung mit dem Stundenplaner wegen einer Vertretung, falls eine Stunde aus Ausbildungsgründen verlegt werden musste, nach Hause fahren und den Lehrernachmittag einläuten, der ja bekanntlich aus Tennisspielen und Golfen besteht… Nur: Ich betreibe wie die meisten von uns weder das eine noch das andere.“
Was hat Ihnen in Ihrer Zeit hier am meisten gefallen?
„Auf so eine Frage werden bestimmte Antworten erwartet, die ich allerdings in diesem Fall tatsächlich so meine: Ich finde die Schülerschaft am Athenaeum und in Stade allgemein sehr angenehm. Gefallen hat mir das Kollegium, in dem ich mich sehr wohlgefühlt habe. Aber was hat mir nun am meisten gefallen? Morgens zum Unterrichten in die Schule zu kommen, hat mir gefallen, (fast) immer.“
Was nehmen Sie aus Ihrer Zeit hier mit?
„Es war eine gute Zeit.“
Was war Ihr Lieblingsort am Athe?
„Es gibt je nach Anlass verschiedene Lieblingsorte: Der Schulhof beim Kollegiumsgrillen, das Lehrerzimmer in den Pausen, das Forum bei den Informationsabenden für den Frankreichaustausch – und die Klassenräume. Dort war ich tatsächlich gern.“
Gab es ein besonderes Ereignis am Athe, das Ihnen in Erinnerung geblieben ist und wovon Sie erzählen möchten?
„Mir wird eine Begegnung im Juni letzten Jahres unvergesslich bleiben. Es handelt sich zwar nicht um ein Ereignis, das an unserer Schule stattfand, das aber auch mit dem Athe zu tun hat: Seit ein paar Jahren nehme ich mit einer Klasse des Athenaeums an einem alljährlich durchgeführten deutsch-französischen Projekt teil, in dem sich Schülergruppen aus der Normandie und aus Niedersachen mit Filmen beider Länder befassen. Den Abschluss bildet jedes Mal ein Treffen in einem der Länder. Im Juni 2024 fand dieses Treffen in der Nähe von Caen statt, wo am 6. Juni der 80. Jahrestag des D-Day, der Landung der Alliierten an der französischen Küste, begangen wurde. Untergebracht waren wir auf einem Sportgelände. Zu dem Jubiläum waren auch amerikanische Veteranen, die vor 80 Jahren an der Landung beteiligt waren, eingeladen worden, um an dem Festakt teilzunehmen. Es fanden sich etwa 70 Veteranen, die die lange Reise noch bewältigen konnten. Die Region Normandie hatte für die hochbetagten Männer und die sie begleitenden Töchter, Söhne oder Enkel und Ärzte nach ihrer Ankunft in den Räumlichkeiten unserer Unterkunft einen Mittagsimbiss organisiert. So kam es, dass unsere Schülerinnen und Schüler die Ankunft der Veteranen erlebten und sich nach dem Essen mit den letzten lebenden Augenzeugen dieses Ereignisses unterhalten konnten. Der Jüngste war 1944 16 Jahre alt, war jetzt also 96, die meisten waren zwischen 101 und 108 Jahre alt. Sie erzählten, wie es ihnen erging an jenem stürmischen Morgen des 6. Juni 1944, als sie von den Landungsbooten ins Wasser sprangen und sich unter dem Kugelhagel der Deutschen über den Strand kämpften. Ein rüstiger 108-Jähriger gestand uns, dass er Angst habe, morgen zum ersten Mal nach 80 Jahren wieder den Strand von damals zu sehen. Diese Begegnung in Caen war ein beeindruckender Moment für die Schülerinnen und Schüler und wird auch mir in Erinnerung bleiben.“
Anm. der Red.: Das Bild unten zeigt Herrn Heizmann mit Schülern bei der Begegnung mit dem jüngsten der amerikanischen Veteranen, die sie anlässlich der 80-Jahr-Feier der Landung der Alliierten in der Normandie in Caen getroffen haben.
Gibt es etwas am Schulleben, das Sie auf keinen Fall vermissen werden?
„Lehrerinnen und Lehrer klagen meistens über das Korrigieren. Allerdings gewinnt man beim Korrigieren mit der Zeit auch eine gewisse Routine (zur Wahrheit gehört allerdings auch, dass ich aufgrund von Stundenentlastungen wegen der Seminartätigkeit im Schnitt stets weniger Klassen und damit weniger Korrekturen hatte als manch andere Kollegin oder Kollege). Was ich jedoch nicht vermissen werde, ist das Benoten-müssen.“
Was werden Sie an Ihrem letzten Tag am Athe unternehmen?
„Ich weiß es noch nicht. Mein Postfach im Lehrerzimmer leerräumen. Tschüs sagen. Und dann sind ja erst einmal Sommerferien, und wahrscheinlich fühlt es sich auch für mich wie Sommerferien an, bis ich merken werde, dass ich gar keine Ferien mehr habe und der gewohnte Rhythmus Schule-Ferien-Schule nun vorbei ist.“
Welche Pläne haben Sie für die Zukunft? Hobbys oder gar einen neuen Beruf…?
„Endlich Chinesisch zu lernen, habe ich nicht vor, einen neuen Beruf plane ich zurzeit auch nicht, aber vielleicht bietet sich die Gelegenheit einer zusätzlichen Beschäftigung. Mal sehen. Langeweile werde ich nicht haben. Ich hoffe, wenig müssen zu müssen, auch wenn ich mich in der ersten Zeit noch mit der Arbeit an einem Unterrichtsmaterialband beschäftigen ‚muss‘. Das ist freiwillig. Ich freue mich auf spontane Ausflüge mit meiner Frau, auch mal mitten in der Woche, auf Besuche der Kinder und Enkel, weiterhin auf die Spaziergänge mit unserer Sheltie-Hündin und Hörbücher dabei zu hören, darauf, endlich das Bücherregal ‚noch zu lesen‘ abzuarbeiten, ich werde weiter gern Konzerte besuchen, mich weiterhin um unsere Stader Deutsch-Französische Gesellschaft kümmern und die Möglichkeiten nutzen, mit der Familie auch außerhalb der Ferienzeiten zu reisen. Und ich hoffe, auch für meine Hobbys noch ein Weilchen gesund genug zu bleiben.“
Gibt es etwas, das Sie schon immer mal sagen wollten – und nie die Chance dazu bekommen haben?
„Zum Danke sagen hat man zwar immer die Chance, aber für den Fall, dass ich sie nicht immer hinreichend genutzt habe, möchte ich mich zum Schluss noch einmal bei allen herzlich bedanken: bei den Kolleginnen und Kollegen für ein gutes, kollegiales und auch freundschaftliches Miteinander und ebenso bei unseren Sekretärinnen, bei den Hausmeistern und bei unserem Schulassistenten für Ihre Unterstützung und stete Hilfsbereitschaft. Au revoir à toutes et à tous.“
Frau Schollenberger möchte die Uni Hamburg besuchen
Jugendreporter: Wie und wann sind Sie zum Athenaeum gekommen?
Ute Schollenberger: „Ich wurde von der Schule angeschrieben, da plötzlich eine Stelle frei wurde. Direkt nach dem Referendariat bin ich dann hierher nach Stade gezogen und konnte sofort als Lehrerin für Erdkunde und Französisch in Vollzeit arbeiten.“
Wie war ihr erster Eindruck vom Athenaeum?
„Der erste Eindruck war auf jeden Fall positiv, es war für mich allerdings auch sehr wichtig an einer Traditionsschule wie dem Athenaeum zu arbeiten, da ich selbst auch in Lüneburg eine ähnlich traditionsreiche Schule besucht habe. Das Athe war mir sehr sympathisch, hat mit auf Anhieb gut gefallen. Deswegen hatte ich auch nach den 34 Jahren, die ich hier gearbeitet habe, nie das Bedürfnis wegzugehen, da ich mich stets wohlgefühlt habe.“
Wie sah für Sie ein typischer Arbeitstag am Athe aus?
„Da ich von Anfang an direkt die volle Stundenzahl hatte, habe ich fast jeden Tag sechs Stunden gearbeitet, dann mittags eine kurze Pause eingelegt und am Nachmittag dann Unterricht vor- und nachbereitet.“
Was hat Ihnen in Ihrer Zeit hier am meisten gefallen?
„Ich fand es schon immer schön zu sehen, wie Kinder der fünften und sechsten Klasse sich zu jungen Erwachsenen entwickeln und was aus ihnen wird, wenn man sie später im Unterricht wiederhat. Man trägt selbst einen maßgeblichen Teil zu der persönlichen Entwicklung bei. Der Beruf war für mich immer interessant, es wurde nie langweilig.“
Was nehmen Sie aus Ihrer Zeit hier mit?
„Schwierig… Ich habe definitiv gemerkt, dass es mir immer wichtig ist, Wissen zu vermitteln. Ich habe auch gerne als Lehrerin gearbeitet. Ich erachte den Job auch als sinnvoll.“
Was war Ihr Lieblingsort am Athe?
„Ich würde sagen der Schulgarten oder die früheren Erdkunderäume und der E-Bau mit dem dortigen Fachraum.“
Gab es ein besonderes Ereignis am Athe, das Ihnen in Erinnerung geblieben ist und wovon Sie erzählen möchten?
„Da gab es vieles, da kann ich nicht unbedingt etwas rausheben. Woran ich mich jetzt noch nach 10-15 Jahren erinnern kann, ist, dass über Pfingsten hier mal Schüler, noch zur Zeit von Herrn Horn, Wasserschläuche aufgedreht und alles unter Wasser gesetzt haben, das fand ich wirklich schlimm und unnötig, so etwas mach mich einfach fassungslos. Außerdem war es schrecklich, nach dem Anschlägen vom 11. September 2001 in der Schule den Kindern erklären zu müssen, was passiert ist, obwohl man selbst noch total unter Schock stand.“
Was werden Sie an Ihrem letzten Tag am Athe unternehmen?
„Ich tue so, als würde ich in die Sommerferien gehen, werde nichts Besonderes unternehmen. Ich freue mich auch schon auf den ersten Tag der Sommerferien. Spannend wird es dann, wenn ich im August nicht mehr in die Schule gehen werde. Schön ist es zu wissen, dass ich alles frei planen kann und nicht an die Arbeitszeiten gebunden bin.“
Welche Pläne haben Sie für die Zukunft? Hobbys oder gar einen neuen Beruf…?
„Ich bin schon dabei, mich über ein Studium der Vor- und Frühgeschichte, in Archäologie zu informieren. Gegebenenfalls werde ich als Gasthörerin die einen oder andern Kurse an der Uni in Hamburg besuchen. Vorerst will ich hier wohnen bleiben. Sehr wahrscheinlich werde ich dann in Baden-Württemberg ziehen. Ich habe zwar sehr viele Pläne und freue mich aber schon auf die neue Phase in meinem Leben, obwohl ich auch immer gerne als Lehrerin gearbeitet habe.“
Frau Veit wird weiterhin musikalisch tätig sein
Wie sind Sie zum Athenaeum gekommen?
„Nach gemeinsamer Studien- und Referendariatszeit in Westfalen und Südhessen zogen mein Mann und ich 1994 in den Norden. Er bekam zunächst ‚seine‘ Stelle am Gymnasium Athenaeum, während ich anfangs in Warstade-Hemmoor, nach Erziehungszeiten ab 2012 auch am VLG Stade tätig war. Seit 2007, mit Beginn der Streicherklassenarbeit am Athenaeum, gehöre ich zum Streicherklassen-Team, anfangs als Honorarkraft für die hohen Streichinstrumente in der Teamteaching-Phase von Klasse 5/6, nach meinem Wechsel ganz ans Athe konnte ich ab 2016 auch höhere Streicherklassen übernehmen.“
Wie war Ihr erster Eindruck vom Athe?
„Eine gut ausgestattete Schule mit im Sommer wohltuendem Altbau-Klima, ähnlich meiner Ausbildungsschule, dem Alten Kurfürstlichen Gymnasium in Bensheim an der Bergstraße.“
Wie sah für Sie ein typischer Arbeitstag am Athe aus?
„Früh genug am Kopierer stehen, unterrichten, vor, während und nach dem Unterricht viel organisieren, immer dienstags und donnerstags in der ersten großen Pause etwa 100 Instrumenten-Saiten stimmen, kurze Teambesprechung am Rande der Streicherklassen-Stunden, anschließend schnell nach Hause für ein gesundes Essen in der Großfamilie. ‚Am bzw. im Athe‘ findet ja nur ein Teil der Arbeitszeit statt, weitere Unterrichtsvorbereitungen am häuslichen Arbeitsplatz folgen nachmittags, abends, nachts und an Wochenenden, wie z.B. das Korrigieren von Klassenarbeiten und das Stimmenschreiben, also das Komponieren und Arrangieren von Noten auf die individuellen Bedürfnisse der (Streicherklassen-)Schüler hin – zu meiner Zeit schon am PC, aber alles self-made (d.h. ohne KI!) erstellt.“
Was hat Ihnen in Ihrer Zeit hier am meisten gefallen?
„Die Teamarbeit mit den Streicherklassen, die Stimmung nach der Sommerpause sowie alle humorvollen Begegnungen.“
Was nehmen Sie aus ihrer Zeit hier mit?
„Viele Erinnerungen, z. B. an unzählige Auftritte, Konzerte, Klassen- und Opernfahrten, Wandertage, Exkursionen aller Art, ein Athe-Sommer-Seminar mit Smoothies in der Kabuschka oder einfach die Erinnerung an längst vergangene Zeiten, als man noch alle Kollegen frühmorgens vor Schulbeginn im Lehrerzimmer dicht gedrängt vor dem Vertretungsplan traf.“
Was ist Ihr Lieblingsort am Athe?
„Tagsüber der Schulhof mit seinem wunderbar alten Baumbestand und der Schulgarten.“
Gab es ein besonderes Ereignis während Ihrer Zeit hier, das Ihnen in Erinnerung geblieben ist und wovon Sie erzählen möchten?
„Einmal befand ich mich nachts allein auf dem Schulhof, mit Fahrrad, aber ohne Schulschlüssel und ohne Handy bei einsetzender Dämmerung und feucht-kühler Witterung. Dankbar bin ich bis heute den freundlichen Passanten, die mich nach geraumer Zeit wahrnahmen und mir ihr Handy durch die Gitterstäbe des Schultores reichten, so dass ich aus dieser misslichen Lage befreit werden konnte.“
Was werden Sie an Ihrem letzten Tag am Athe unternehmen?
„Wie gewohnt werde ich zur Schule gehen und mich – sofern möglich – auf meine Art von Schülern, Hausmeistern, Sekretärinnen und Kollegen verabschieden.“
Was für Pläne haben Sie für die Zukunft?
„Ich hoffe, in Zukunft mehr Zeit zum Lesen, Nachdenken und Besinnen zu haben. Meine bisherige Bestrebung, mehr im Einklang mit dem jahreszeitlichen Rhythmus zu leben, werde ich fortsetzen und dankbar annehmen und verarbeiten, was die Natur uns schenkt. Dabei werde ich versuchen, mich auf das Wesentliche fernab von aufgezwungener und fortschreitender Digitalisierung mit ihrem gewaltigen Energieverbrauch zu konzentrieren. Ganz bestimmt werde ich weiterhin musikalisch tätig sein (Klavier, Orgel, Bratsche, Geige), aber wieder mehr Zeit für Familie haben, insbesondere für die Pflege der älter werdenden Eltern.“